Die Hälfte von allem

Die Hälfte von allem

Ein Roman von Carlos Zanón.

Schauplatz des Romans ist bis auf zwei kleine Ausnahmen die katalanische Hauptstadt Barcelona, diese quirlige, lebendige, aber auch undurchschaubare Stadt mit ihren vielen Plätzen, Cafés, Hinterhöfen, Kneipen, in die man sich als Tourist vermutlich nicht verirren sollte. Die aktuelle Situation Spaniens aufgrund der Finanzkrise von 2008 wird am Rande thematisiert, durchzieht aber in kleinen Bemerkungen den gesamten Roman — er ist mit Bezügen auf auf die Facebook, NSA, Smartphones usw. auf die heutige Zeit also recht aktuell.

Hauptfiguren sind auf der einen Seite die Leute um Bruno, der offenbar nie wirklich einer geregelten Arbeit nachging: Brunos Frau Raquel und deren „Bruder“ Cristian sowie Max und Merche.

Max und Merche haben eine Affäre miteinander. Wobei Max‘ Affäre irgendwann bekannt, die Ehe von Max inzwischen geschieden wurde, und er alleine in einer kleinen Wohnung lebt und die Alimente für seine drei Töchter bezahlt. So gesehen ist es keine Affäre mehr.

Für Merche hingegen bleibt es bei einer Affäre. Sie wohnt immer noch bei ihrem Mann und den beiden Söhnen, die nichts von der Affäre Merches ahnen; die Treffen mit Max hingegen finden an anderen Orten statt.

Wer einen Einblick in den Zustand der Affäre zwischen Merche und Max gewinnen möchte, sollte sich die Dialoge zwischen den beiden genauer ansehen.

 

Bruno, Raquel und Christian sind „Kleinkriminelle“, die Fremdgänger beobachten, um sie danach zu erpressen.

Man ahnt es schon: Max gerät ebenfalls in den Focus von Brunos Erpressergemeinschaft. Aber Max ist nicht erpressbar, denn er ist ja bereits geschieden. Und Max dreht den Spieß um…

Sucht man in diesem Roman nach sympathischen Figuren so fällt es schwer, einen liebenswerten Charakter zu benennen. Zu abstossend sind teilweise die Verhaltensweisen oder Äußerungen der Protagonisten.

Die Sprache ist teils derb, die Schilderungen hin und wieder drastisch, die Beweggründe bleiben teilweise im Verborgenen.

Das Buch hat ein klares, nicht unerwartetes Ende, das aber die Moral in Frage stellt. Diejenigen, die vielleicht am wenigsten unsympathisch sind/waren(ja, so muß man es formulieren), bleiben auf der Strecke.

Vermutlich muß man Barcelona, Katalonien und Spanien kennen, um die Hintergründe auszuloten.

 

 

 

 

 

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